Konzept

Kleine Dorfschule Vorpommern
Organisatorische und konzeptionelle Einführung

Die Kleine Dorfschule Vorpommern befindet sich in Wietzow/Daberkow, Mecklenburg-Vorpommern. Der gemeinnützige Verein „ZEITREIF“ e.V. hat als Schulträger die Genehmigung der Kleinen Dorfschule Vorpommern als Grundschule mit den Klassenstufen 1 bis 4 beantragt. Der Schulbetrieb startet zum Beginn des Schuljahres 2020/21 mit ca 10 Schülern. Im Laufe der nächsten Jahre wird die Schülerzahl auf ca 30 Kinder zwischen 6 und 12 Jahren anwachsen.

Die Kernzeit beginnt täglich um 9:00 Uhr und endet um 14:00 Uhr.
Eine Hortbetreuung ist vor und nach der Kernzeit von 7:30 Uhr bis 17:00 Uhr vorgesehen.

Die monatlichen Elternbeiträge sind gestaffelt und richten sich nach dem Einkommen der Familien. Sie liegen bei mindestens 150 Euro pro Monat. Im Einzelnachweis über Mittellosigkeit kann bei ausreichenden Kapazitäten seitens der Schule ein Antrag auf Förderung gestellt werden.

Die Voraussetzung für die Aufnahme an der Kleinen Dorfschule Vorpommern ist, dass die Eltern des Bewerbers sich intensiv mit dem Konzept auseinandergesetzt haben, dieses auf allen Ebenen unterstützen und hinter den Werten der Schule stehen.

Bei allen Lebensmitteln wird Wert auf biologischen Anbau, Saisonalität und Regionalität gelegt. Die Ernährung ist hauptsächlich vegetarisch ausgerichtet.
In festgelegten Zeiträumen wird ein Frühstücks- bzw. ein Mittagsbuffet aufgebaut. So haben die Schüler die Möglichkeit, in diesem Zeitfenster die Mahlzeit nach ihren eigenen Bedürfnissen mit der Schulgemeinschaft einzunehmen.

Zu Beginn des Schulbetriebes bilden eine Schulleitung und zwei Lernbegleiter das Team.
Die Anzahl der Hortbetreuer richtet sich nach dem Betreuungsbedarf.

Will ein Schüler die Kleine Dorfschule Vorpommern wegen Umzugs oder aus anderen Gründen vor Abschluss der 4. Klasse verlassen, wird ein individueller Lernplan erstellt, der mit Unterstützung der Lernbegleiter und im Austausch mit den zukünftigen Lehrkräften den Wechsel auf die jeweilige Schule vorbereitet und die dafür benötigten Kompetenzen erarbeitet.

Inmitten der Natur, angrenzend an die Landschaftsschutzflächen des Tollensetals entsteht eine Grundschule mit hochwertigen Bildungsangeboten und alternativen Lernformen.

Die Besonderheit dieses neuen, innovativen Lernortes sind die Kooperationsgemeinschaften zwischen der Schule und regionalen Betrieben, Firmen und anderen Berufsgruppen, durch welche die Schüler anwendungsbezogenes Lernen erleben. So kommen junge Menschen schon frühzeitig mit verschiedenen Berufen und ihren jeweiligen spezifischen Herausforderungen in Kontakt und erfahren einen lebensrelevanten Bildungsalltag.

Eine weitere zentrale Rolle im Schulleben spielen Umweltbildung, ökologische Landwirtschaft und gesunde Ernährung. Der Standort vereint ideale Bedingungen in der Natur mit vielfältigen Angeboten der Bereiche Handwerk, Kultur und Gesundheit. Diese Faktoren sind geeignete Rahmenbedingungen für einen natürlichen Lebens- und Lernort und prägen und bereichern den Schulalltag.

Jedes Kind ist einzigartig. Es wird vollkommen intelligent geboren und besitzt ein innewohnendes Potential, welches für seine Entfaltung entsprechende, ganz individuelle Bedingungen braucht. In ihm ist alles angelegt und es kann das ganze Leben ergreifen und zu einer vielseitig gebildeten Persönlichkeit heranreifen.

Jeder Mensch lernt auf seine ganz individuelle Art und Weise. Um einen großen und anhaltenden Lerneffekt zu erzielen, sind die Methoden auf die unterschiedlichen Lerntypen abgestimmt. Dabei bietet der Freiraum für eigene Interessen und Neigungen den Schülern in besonderem Maße die Möglichkeit, sich Wissen und Können durch intrinsische Motivation anzueignen. Freies Lernen, Teamarbeit und die direkte Verbindung zur Praxis sind wertvolle Methoden, Wissen nachhaltig zu vermitteln. Die Zusammenarbeit mit den vielfältigen Kooperationspartnern ermöglicht und fördert eine ausgeprägte und andauernde Kompetenzbildung und einen umfassenden Kenntnisstand.

Darüber hinaus werden in den verschiedenen Lernformen wie Projekten, allgemeinen und speziellen Vorhaben, Interessengemeinschaften, Kursen und Exkursionen die Lernziele im Blick behalten, immer wieder neu definiert und unterstützt. Gleichzeitig entstehen durch diese Aktivitäten Möglichkeiten der interdisziplinären Wissensvermittlung. Rechnen, Lesen und Schreiben sowie andere Inhalte können anhand solcher Vorhaben leicht vermittelt und unmittelbar angewendet werden. Der konkrete Bezug des Erlernten festigt das Wissen und verbindet es mit einer positiven Erfahrung. Erfolgreich beendete Vorhaben sind dann wertvolle Anlässe, als Gemeinschaft zusammen zu kommen und die Ergebnisse gemeinsam zu zelebrieren. Diese Höhepunkte haben eine große Bedeutung, bereichern den Alltag und stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Wissenschaftliche Studien belegen zweifelsfrei die Wirksamkeit alternativer Lernformen. Sie lassen erkennen, dass Unterrichtsformen wie offener und interdisziplinärer Unterricht sowie fächerübergreifendes Lernen eine intrinsische Motivation und eine größere Selbständigkeit fördern. Selbstbestimmtes Lernen im individuellen Rhythmus jedes Einzelnen und in altersgemischten Gruppen erweist sich als ein inzwischen vielerorts bewährtes Modell, welches das Lernen als einen ganzheitlichen Prozess versteht.

Der Bildungsauftrag hat die Intention, die Schüler zu selbstständig und eigenverantwortlich handelnden, kreativen Menschen heranwachsen zu lassen, die den zahlreichen Herausforderungen des Lebens kompetent begegnen können. Ziel ist das Aufwachsen mit dem Verständnis für ein ganzheitliches Leben, in welchem alle Lebensbereiche wie Nahrung, der eigene Körper, Wohnen, Gemeinschaft, Lebensraum, Natur, Ressourcen verstanden, erkundet und mitgestaltet werden können. Damit werden diese jungen Menschen in einem gesunden Umfeld groß, so dass sie selbstverantwortlich die Welt mit eigenen Ideen bereichern.

Selbstbestimmtes, freies Lernen führt zu einer höheren Motivation, durch die sich Inhalte schnell aneignen lassen und das Erlernte behalten wird. Dies fördert die Freude und die Fähigkeiten junger Menschen, sich Wissen selbst zu erarbeiten und einen direkten praktischen Nutzen daraus zu ziehen. Kenntnisse werden als wertvoll und sinnhaft verstanden, weil sie nicht isoliert vom Leben auftreten.

Auch die Berücksichtigung des Bewegungsdranges der Schüler erhöht die Lernleistung, was auf die bessere Vernetzung im Gehirn beim Lernen in Bewegung zurückzuführen ist. Das wurde durch zahlreiche Untersuchungen bestätigt. Dafür gibt es entsprechend viel Freiraum für Aktivitäten im Außen.

Die Lerninhalte an der Kleinen Dorfschule Vorpommern sind breit gefächert und orientieren sich an den Bedürfnissen der Heranwachsenden und an den jeweiligen Rahmenplänen des Landes. Viele wertvolle Schwerpunkte gestalten den Bildungsauftrag innovativ und lebensnah und fördern angewandte Wissensvermittlung.

1. Kulturtechniken wie Lesen / Schreiben / Rechnen
2. Naturwissenschaften / Geografie / Erdkunde
3. Fremdsprachen
4. Kultur / Geschichte / Sachkunde / Politik
5. Ethik / Philosophie / Weltreligionen
6. Sport
7. Umweltbildung / Biolandwirtschaft / gesunde Ernährung
8. Nachhaltigkeit und Ressourcen
9. Alte und traditionelle Handwerke und angewandte Berufe
10. Kreative Ausdrucksformen wie Kunst / Musik / Poesie / Theater
11. Bauen / Konstruieren / Planen
12. Verantwortung und soziale Kompetenz
13. Verantwortlicher, sinnhafter und angewandter Umgang mit Medien

Die vielfältigen Inhalte sind intensiv miteinander verwoben und nicht voneinander zu trennen. Die Lernenden eignen sich gemäß ihren Interessen, Neigungen und Fragestellungen unterschiedliche Kompetenzen aus vielen verschiedenen Fachgebieten an. Mit Hilfe der Lernbegleiter und der reichhaltig vorhandenen Arbeitsmaterialien wird ihnen die Möglichkeit gegeben, sich Lerninhalte auf individuellen Wegen erschließen zu können und zu einem hohen Wissens- und Kenntnisstand zu gelangen.

Bis zum Ende der Grundschulzeit erlangen die Schüler alle Kenntnisse und Kompetenzen, wie es in den Rahmenplänen vorgegeben ist. Es werden alle Fachgebiete behandelt und die Techniken beherrscht, zu denen die Schüler anderer Grundschulen befähigt wurden. Das Bildungsniveau ist nicht nur dem der Regelschulen gleichwertig, sondern überragt dieses in vielen Bereichen.

Das Schulgebäude als Lernort bietet ausgiebige Möglichkeiten für unterschiedliche Aktivitäten.

Wichtige Lernorte sind nahe Werkstätten, Betriebe und Firmen, in denen die Schüler präsent und aktiv sind. Die Kooperationsgemeinschaften ermöglichen jederzeit das Durchführen von Projekten und Exkursionen. Die Lernenden erhalten dort einen Einblick in die verschiedenen Tätigkeitsfelder und erlernen berufspraktische Fertigkeiten und Gestaltungskompetenz.

Ein weiterer großer Schwerpunkt liegt auf Aktivitäten, die draußen stattfinden. Die wilde und gestaltete Natur ist eng mit dem Leben der Heranwachsenden und ihrer Begleiter verwoben. Eine wertschätzende Verbindung mit der Umwelt erhält und fördert die Achtung vor dem Leben und seinen Ressourcen. Dafür bietet der Schulgarten Raum für den Anbau von Nutzpflanzen, welche die Ernährung bereichern. Die Schüler haben die Möglichkeit, sich an Kreisläufen vom Anbau bis zur Ernte zu beteiligen. Dies vermittelt grundlegende Werte bezüglich einer gesunden Ernährung und Wertschätzung für die Herstellung von Nahrungsmitteln.

Leben und Schule sind keine getrennten Bereiche. Die Schule findet im Leben statt, was bedeutet, dass die Kinder an vielen praktischen Abläufen und realen Fragestellungen, die das alltägliche Leben betreffen, beteiligt sind.

An diesem Lernort nimmt der Erwachsene die Rolle eines Begleiters ein. Mit seinem Wissen, seiner Erfahrung und seinen Fertigkeiten begleitet er alle Prozesse, die im Zusammenhang mit dem Schulleben stehen. Dabei spielt das Vertrauen in die Neugier, Lernwilligkeit und Kompetenz der Schüler eine maßgebliche Rolle. Dieses Vertrauen in die individuellen Wachstums- und Lernprozesse der Kinder ist das Fundament für ein motiviertes und eigenverantwortliches Lernen. Der Lernbegleiter selbst ist teamfähig, authentisch, achtsam und steht hinter dem Konzept.

Die Schule ist integriert in das dörfliche Leben und die umfassende Natur- und Kulturlandschaft des Landkreises Vorpommern-Greifswald. Durch die Vernetzung mit Unternehmen und ansässigen Handwerken entstehen neue Synergien und die Stärkung des regionalen Zusammenhaltes. Eine Verbindung der Generationen und eine Weitergabe von Werten und Traditionen findet auf verschiedenen Ebenen statt. Die Schüler erleben in ihrer Schullaufbahn eine positive Identifikation mit ihrem Lebensraum und eine nachhaltige Bindung zu ihrer Region. Unter Mitwirkung der Hochschule Neubrandenburg, Fachbereich Soziale Arbeit, Bildung und Erziehung wird die Konzeptumsetzung und -evaluation unterstützt und professionell begleitet.

Mit diesem Konzept startet ein innovatives und einmaliges Bildungsprojekt in Mecklenburg-Vorpommern.

ZEITREIF e.V. 04.04.2020